Der Sommertagszug

Ursprünge des Umzuges

Unsere germanischen Vorfahren feierten mit dem Sommer- und dem Wintertag jeweils zur Tag- und Nachtgleiche den Beginn des entsprechenden Halbjahres. Durch Verschmelzung mit diversen kirchlichen Festen, wie Erntedank, Traubenfest, Kirchweih u.a., geriet der Wintertag über die Jahrhunderte in Vergessenheit. Nicht jedoch der Sommertag. Ihm schuf die christliche Kirche einen eigenen Platz im Kirchenkalender, nämlich Lätare, den 3.Sonntag vor Ostern. So konnte sich der Sommertag bis heute erhalten.

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Bedeutung des Sommertags

Wie der Ursprung vermuten lässt, wird der Winter ausgetrieben, damit die warme Jahreszeit beginnen kann. Die im Umzug mitgeführten Butzenpaare, zwei kegelförmige Gestelle, der Winter und der Sommer, symbolisieren den Kampf der Elemente, die um die Vorherrschaft ringenden Jahreszeiten. Der Winterbutzen ist mit Stroh ummantelt, weiße Bänder und Schneeflocken zeigen die ihm eigene Kälte. Ganz anders der Sommer. Er ist aus grünem Fichtenreisig gearbeitet von bunten Bändern umgeben mit Papierblumen und immergrünem Buchs geschmückt. Dies zeigt die erwachende Natur. Die gleiche Funktion haben die Sommertagsstecken, die die Kinder im Zug mit sich führen. Mit bunten Papierspiralen umwickelt, lustig im Wind flatternden Bändern sowie einer Brezel, in die ein ausgeblasenes Ei eingesteckt ist, helfen sie den Winter zu verjagen und den hinterlassenen Staub zu beseitigen (Summerdaag schtaab aus). Weitere Accessoires sind Schuhe, Weinflaschen, Schlüssel und die riesigen Brezeln an den Butzen. Diese Dinge gehen auf alte Kurpfälzer Zeiten zurück, als noch die Kurfürsten in Heidelberg regierten. All das findet sich im Sommertagslied wieder. Damals im 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts, zu Liselottes Zeiten also, zogen die Heidelberger Kinder in buntem Umzug zum Schloss hinauf und sangen vor den hohen Herrschaften das Sommertagslied. Danach wurden sie von Kurfürst und Adel mit Brezeln und Schuhen beschenkt. Auch stellte der Kurfürst wieder Personal ein. Zusammen mit Beginn der warmen Jahreszeit kam wieder Geld ins Haus; wenn das kein Grund zum Feiern war?